Hanföl bei dm: Was wirklich in der Flasche steckt – und was nicht
Ein Kollege drückte mir letzte Woche ein kleines braunes Fläschchen in die Hand. „Schau mal, das hab ich bei dm mitgenommen, kostet nur einen Bruchteil von dem Zeug aus dem CBD-Laden." Ich drehte es um, suchte nach THC-Wert, Extraktionsverfahren, Zertifizierung. Und fand: fast nichts. Genau das ist der Punkt bei Hanföl von dm, den kaum jemand offen ausspricht. Sie bekommen ein Produkt, das sich hervorragend für Ihre trockenen Hände eignet, aber Sie bekommen kein standardisiertes Nahrungsergänzungsmittel mit nachvollziehbarer Wirkstoffdosis.
Das ist keine Kritik an dm. Es ist eine Frage der Erwartungshaltung. Wer ein Speiseöl will, ist hier richtig. Wer ein CBD-Produkt mit definiertem Gehalt sucht, wird enttäuscht – und das liegt nicht an dm, sondern daran, wie die Drogeriekette ihre Hanf-Produkte seit Jahren aufstellt. Ich habe die Regale mehrfach abgelaufen, mit Mitarbeitern gesprochen und die Flaschen selbst in der Hand gehabt. Hier ist, was ich dabei rausgefunden habe.
Wichtige Erkenntnisse
- Hanföl bei dm ist in zwei völlig unterschiedlichen Kategorien zu finden: als Speiseöl (Hanfsamenöl) und als CBD-Hanföl in der Pflege-Abteilung.
- Die beiden Produkte haben nichts miteinander zu tun – weder im Preis, noch in der Wirkung, noch in der gesetzlichen Einordnung.
- Hanfsamenöl ist gepresst und enthält praktisch kein THC oder CBD. Es punktet mit Omega-3/6-Fettsäuren.
- Das CBD-Hanföl-Produkt war in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Rechtsstreitigkeiten und wurde zeitweise aus dem Sortiment genommen.
- dm ist als Drogerie kein Anbieter für medizinisch relevantes CBD. Wer dosieren will, braucht andere Quellen.
Hanföl und CBD-Hanföl – zwei Welten im gleichen Regal
Das ist der häufigste Denkfehler, den ich in Foren sehe. „Hanföl" ist kein einzelnes Produkt. Es ist ein Oberbegriff für zwei Dinge, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Hanfsamenöl: das Speiseöl
Kennen Sie den Geschmack von kaltgepresstem Leinöl? Hanfsamenöl geht in eine ähnliche Richtung, nur nussiger, etwas grüner. Es wird aus den Samen der Hanfpflanze gepresst. Und aus Samen kommt kein nennenswertes Cannabinoid – die sitzen in den Blüten, nicht im Korn. Was Sie bekommen: einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Etwa ein Verhältnis von 3:1 zwischen Omega-6 und Omega-3, je nach Sorte. Für die Küche reicht das völlig.
Meine Frau hat es monatelang über den Salat gegeben, bis sie gemerkt hat, dass sie es im Kühlschrank aufbewahren muss. Kaltgepresste Öle werden ranzig, wenn sie warm stehen. Das steht auf jeder zweiten Flasche, wird aber von der Hälfte der Käufer ignoriert. Ich war einer davon.
CBD-Hanföl: die andere Kategorie
Und dann gibt es die kleinen Fläschchen mit einer Pipette, die deutlich mehr kosten. Hier wird ein Extrakt aus den Blüten in ein Trägeröl (meist ebenfalls Hanfsamenöl oder Olivenöl) gemischt. Der CBD-Gehalt wird in Prozent angegeben, steht aber bei Drogerieprodukten oft so offen auf dem Etikett, dass ein Vergleich kaum möglich ist. Ich habe bei mehreren Flaschen versucht, ein Datenblatt zu finden – vergebens.
Kurz gesagt: Wenn Sie eine Pipette in der Hand haben, kaufen Sie CBD. Wenn eine normale Ölflasche im Regal steht, ist es Speiseöl. Der Rest ist Marketing.
Bio-Hanföl bei dm: was das Siegel bedeutet und was nicht
Bio ist bei Speiseölen ein landwirtschaftliches Anbausiegel, kein Reinheitssiegel für Cannabinoide. Das ist wichtig, weil viele diesen Unterschied überlesen. Das EU-Bio-Logo sagt: Die Rohware wurde nach bestimmten Anbauregeln erzeugt. Es sagt nicht: Das Endprodukt wurde auf Schwermetalle, Pestizidrückstände oder den tatsächlichen CBD-Gehalt getestet.
Warum das bei Hanfökologie mehr zählt als bei Sonnenblumenöl
Hanf zieht Schwermetalle aus dem Boden, wenn der Anbau in belasteten Gebieten stattfindet. Deshalb sind Laboranalysen bei Hanfprodukten wichtig. Bei dm-Produkten habe ich keine allseits zugänglichen Analysedaten gefunden, weder auf dem Etikett noch im Shop. Das heißt nicht, dass nicht analysiert wird. Es heißt, dass der Verbraucher es nicht nachprüfen kann.
Bei 08/15-Sonnenblumenöl wäre mir das egal. Bei einem Hanfprodukt, das als Superfood beworben wird, finde ich es unbefriedigend. Wer wirklich wissen will, was drinsteckt, ist bei Anbietern mit öffentlich einsehbaren Laborberichten besser dran – und zahlt dafür mehr.
Hanföl DM Test: meine drei Versuchsanordnungen
Ich habe in den letzten Monaten drei verschiedene Anwendungen ausprobiert. Keine davon mit Laboranalyse, alle rein subjektiv. Aber Sie sehen, woran sich ein Eindruck festmachen lässt.
1. In der Küche
Das Hanfsamenöl eignet sich für kalte Küche: Salate, Dips, über gekochte Kartoffeln. Zum Braten taugt es nicht, dafür ist der Rauchpunkt zu niedrig. Nach drei Wochen war die Flasche aufgebraucht.
2. Auf der trockenen Winterhaut
Reines Hanfsamenöl ist ein ordentliches Pflanzenöl für die Körperpflege. Es zieht mäßig schnell ein, hinterlässt einen leichten Glanz. Meine Ellenbogen haben sich gefreut, das Gesicht weniger. Für unreine Haut ist es zu reichhaltig.
3. Als CBD-Anwendung
Hier konnte ich keinen verlässlichen Effekt messen. Bei einem Produkt ohne deklarierten mg-Gehalt pro Tropfen kann man nicht einmal eine Referenzdosis wählen. Ich habe es zweimal genommen, dann gelassen. Für eine seriöse Anwendung ist das kein Weg.
Hanföl dm und Rossmann: die pragmatische Sicht
Die beiden Ketten nehmen sich bei Hanföl wenig. Beide führen Speiseöl im Bio-Segment, beide haben in manchen Filialen CBD-Produkte im Pflegebereich. Rossmann hat teilweise eigene Eigenmarken-Aktivitäten im Bereich Hanf ausgebaut, dm bleibt in dieser Kategorie zurückhaltend. Wenn ich vergleichend zusammenfasse, sieht das so aus:
| Kriterium | dm | Rossmann |
|---|---|---|
| Hanfsamenöl als Speiseöl | ja, Bio | ja, teils Bio |
| CBD-Hanföl im Sortiment | zeitweise, regional unterschiedlich | regional unterschiedlich |
| Transparente mg-Angaben | selten | selten |
| Preis pro 100 ml Speiseöl | Mittelklasse | Mittelklasse |
| Verfügbarkeit online | ja | ja |
Wer in einer Filiale steht und ein einfaches Hanfsamenöl für den Salat sucht, ist bei beiden gut aufgehoben. Wer CBD will, sollte gar nicht in einer Drogerie suchen.
Hanföl bei dm für das Gesicht – ehrlich bewertet
Hier greift der gleiche Punkt wie bei allen reinen Pflanzenölen: Hanfsamenöl ist reich an Linolsäure, was es für normale und trockene Haut interessant macht. Für fettige und unreine Haut ist es hingegen nicht ideal – es kann die Porenbelastung erhöhen. Ich habe es zweimal im Gesicht getestet und beide Male nach ein paar Tagen wieder abgesetzt. Meine Stirn mochte es nicht.
Ein ganz konkreter Tipp aus meinem Fehler: Geben Sie maximal 2 Tropfen auf die noch feuchte Haut nach dem Waschen. Wer direkt aus der Flasche aufs Gesicht drückt, cremt sich selbst zu.
Was ich Ihnen am Ende raten würde
Wenn Sie auf der Suche nach einem hochwertigen Speiseöl mit nussigem Geschmack sind, gibt es bei dm keinen Grund zur Beschwerde. Kaufen Sie es, stellen Sie es in den Kühlschrank, verbrauchen Sie es innerhalb von ein paar Monaten. Fertig.
Wenn Sie aber ein CBD-Produkt mit klarer Dosierung suchen, ist die Drogerie die falsche Adresse. Nicht weil dm schlecht wäre, sondern weil die ganze Produktkategorie dort nicht für medizinische Anwendung gedacht ist. Die Fläschchen wandern bei dm in die Pflegeabteilung – und dort gehören sie auch hin.
Und wenn Sie irgendwann vor einem Regal stehen und sich fragen, warum das kleine Fläschchen mit der Pipette zehnmal so viel kostet wie das Speiseöl: Jetzt wissen Sie es. Aber ob Sie das wirklich brauchen, entscheidet nicht der Preis. Sondern Ihre Erwartung. Und die sollte bei einer Drogerie realistisch bleiben.